Presse
Rhein-Neckar-Zeitung vom 12.10.2000

A capella: Stürmischer Applaus für "Swinging Five"
Beat, Blues und Volksmusik eroberten im Kurpfalz-Centrum ihr Publikum mit klasse Stimmen, Jux und Brillen

Leimen. (hk) Sie brauchten nicht lang, um Ihr Publikum zu erobern: Von Lied zu Lied verlängerte sich der Applaus für die sechs Herren der "Swinging Five". Wurde gegen Ende gar stürmisch. Rhythmisch forderten die Zuhörer im Lichthof des Kurpfalz-Centrums schließlich Zugabe um Zugabe. Beat, Blues, Swing auch Volksmusik - gekonnt und locker a capella vor vollem Haus.

Sie müssen wohl Beatles-Fans sein, die 29- bis 36 jährigen Virtuosen. Jedenfalls brachten sie gleich zu Konzertbeginn Arrangements der großen englischen Band zu Gehöhr: "Help", "Penny Lane" oder "Back in the U.S.S.R." - Stücke von John Lennon und Paul McCartney. Besten Beat honorierte das Publikum begeistert. Freute sich am breiten Klangspektrum der Truppe. Genoss reine Stimmen, mächtiges Volumen, expressive Dynamik vom kraftvollen Klang bis zum hin gehauchten Pianissimo.

Denn auf brillante Stimmen kam es nun an: Schwäbische Weisen nach Art des "Freut euch des Lebens" als auch der "Jimmy Brown Song" verlangten danach mit schellen Tempi- und Rhythmuswechseln und weiten Spannungsbögen. Und zwischen den Liedern leiten die Sänger mit Geschichten über, zu Beispiel mit der von Jimmy Brown: Als Baby läuten Ihm in einem irischen Dorf Kirchenglocken zur Taufe.

Die selben Glocken kündeten von seiner Heirat 20 Jahre später. Selbst als er an einem grauen Novembermorgen starb, läutete eine kleine Glocke der Kirche seines Dorfes. Ja, und dann kam das Lied.
Und das Publikum schmolz dahin.

Traten die "Swinging Five" zu Beginn akkurat im dunklen Anzug vor ihr Publikum, stellten sie sich nach der Pause hemdsärmelig hin. Erlaubten sich einigen Klamauk: Coole Sonnengläser zu Swinging Blues, Luftgitarren-spielen und Marschieren auf dem Podest oder Schlagzeugtöne allein mit dem Mund gebildet. Das Publikum lechzte nach Zugaben und erhielt gleich drei. Das Sahnehäubchen obendrauf gaben die sechs Virtuosen mit dem Lied "Mein kleiner grüner Kaktus" - Ein gelungenes Konzert auch für den ausrichtenden Kulturkreis.

Warum eigentlich sechs Sänger, wenn der Name von fünfen spricht? 1989, zur Gründung waren`s fünf: Gerd Krempel (Bass, 36), Oliver Decker (Bariton, 29), Hagen Köhler (Tenor und Countertenor, 30), Klaus Brenner (Tenor, 35), Mathias Baron ( Solostimme und Countertenor, 34). Kurz darauf verstärkte Karsten Knodel, 29, als Bariton die A- capella-Gruppe. Seit acht Jahren ist die Truppe mit ausgefeilten Arrangements zwischen Heidelberg, Karlsruhe und Pforzheim bekannt.